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Freiwillige berichten: Andrea S.
"Warum Tatendrang? Mit Mitte 30, noch ohne Kinder und mitten im Leben fand ich es an der Zeit, etwas weiterzugeben. Ich wollte jemandem zur Seite stehen und ihn oder sie an meinem Alltag teilhaben lassen. Während ich in meinem Job als Redakteurin Einzelschicksalen oft nur kurz begegne, sah ich hier die Chance, einen jungen Menschen über einen längeren Zeitraum zu begleiten.
Von "Tatendrang" hatte ich schon mehrmals in der Tageszeitung gelesen. Mit einer der Mitarbeiterinnen sprach ich auf einer Party darüber. Wenige Tage später hatte ich diverse Vorschläge auf dem Tisch, darunter auch das Münchner-Kindl-Heim in Harlaching. Bei meinem Besuch dort erfuhr ich von L., einer 16 jährigen Kambodschanerin, die als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in dem Heim lebt. Sie ist Waise und im Oktober 2006 nach Deutschland gekommen; die genauen Umstände ihrer Flucht kennt niemand. Zumindest bis sie 18 ist, wird sie hier bleiben dürfen.
Angefangen hat es als eine Art Hausaufgabenhilfe, inzwischen ist eine Freundschaft daraus geworden. L. und ich sehen uns, wenn alles klappt, einmal die Woche. Wir gehen ins Museum, ins Café oder essen Erdbeeren im Alten Botanischen Garten. Sie erzählt von ihrer Woche: ob es Streit mit den Mädchen aus der Wohngruppe gab oder dass sie ein Schülerpraktikum bei einem Friseur sucht. Anfänglich redeten wir mit Händen und Füßen - wie erklärt man das Wort Klimatechnik?! -, doch inzwischen hat L. sprachlich einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. L. wirkt wie ein normaler Teenager. Manchmal wird sie plötzlich traurig, doch ich traue mich selten, nachzufragen. Abgesehen von solchen Momenten lachen wir viel. L. bekocht mich mit köstlichen Frühlingsrollen und ich tue mein Bestes, um sie für die kommende Woche ein bisschen besser zu wappnen."