Als InteGREATer Kinder mit Migrationshintergrund motivieren

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Migrationshintergrund darf nicht zum Hindernis werden – Marwa hat sich von Hürden nicht von ihrem Ziel abbringen lassen. Diese Motivation will sie heute weitergeben. Für InteGREATer spricht sie vor Klassen mit hohem Migrationsanteil über ihre Erfahrungen und motiviert benachteiligte Kinder, ihre Träume zu leben.

Ich wollte immer schon Ärztin werden, aber das war kein einfaches Ziel. Geboren und aufgewachsen im Ruhrgebiet, habe ich meinen Migrationshintergrund oft zu spüren bekommen. In meinem Gymnasium gab es einen sehr geringen Migrationsanteil, ich habe dort auch Rassismus erlebt. Mir wurde es bei den Noten nicht leicht gemacht und es war schnell klar, dass ich denn notwendigen Schnitt für ein Medizinstudium nicht erreichen werde. Aber ich habe nicht aufgegeben und nach dem Abitur 4 Jahre lang auf einen Studienplatz gewartet. In der Zwischenzeit habe ich die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin abgeschlossen und viel im ehrenamtlichen Bereich gearbeitet. Alles, was ich getan habe, war auf das Medizinstudium ausgerichtet.
Heute studiere ich im 5. Semester Medizin an der LMU. Hätte ich mein Ziel nicht immer klar vor Augen gehabt, wäre ich sehr schnell demotiviert gewesen. Gerade deshalb will ich heute Jugendliche mit Migrationshintergrund motivieren, nicht aufzugeben. Ich will Ihnen zeigen, dass man sich nicht demotivieren lassen darf, dass es sich lohnt, Hürden zu überwinden. Ich bin froh, meinen Weg mit all seinen Umwegen gegangen zu sein, denn so habe ich viel über mich gelernt, Erfahrungen gesammelt, ich bin über mich hinausgewachsen. Für die Kinder ist meine Geschichte ein Ansporn und für mich ist es eine Freude, dass ich ihnen damit Mut machen kann.
Seit Oktober 2023 engagiere ich mich bei InteGREATer – erst als Freiwillige, aber ich habe schnell die Regio-Leitung für München übernommen. Wir bei InteGREATer versuchen, Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund Vorbilder zu geben, die ihnen zeigen, dass man seine Ziele erreichen kann. In Schulen mit möglichst hohem Migrationsanteil reden wir über unsere eigene Geschichte und zeigen in Workshops, wie man mutig wird. Das läuft nicht immer gleich ab: An Grundschulen reden wir mehr über Wünsche und Ziele, bei älteren Kindern eher über die Optionen, die ihnen offen stehen.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Jugendliche an Mittelschulen oft nicht mehr an ihre Ziele glauben. Man muss sie ermutigen, ihre Träume überhaupt zuzulassen. Wir erzählen dann von unseren Schwierigkeiten, aber auch davon, was uns geholfen hat. Kinder, deren Eltern neu in Deutschland sind, haben es im Vergleich zu deutschen Kindern schwerer, denn die Eltern können nicht mit Tipps und Tricks helfen. Bildung ist in Deutschland stark mit sozialer Herkunft verwoben. Gerade für Leute mit Migrationshintergrund fehlt es oft an Vorbildern. Wir wollen diese Vorbilder sein, die zeigen, dass man trotz Schwierigkeiten etwas erreichen kann.

Als ich angefangen habe, war die Regiogruppe relativ inaktiv. Inzwischen sind wir ein tolles Team, das wächst und sich gegenseitig stützt. Wir haben auch viele neue Aktivitäten angestoßen, lernen voneinander und genießen den Kontakt untereinander. Jeder hat einen anderen Hintergrund und das erweitert meinen Horizont extrem.

Wir suchen auch immer Freiwillige – am besten selbst mit Migrationshintergrund. Trotz aller Organisation bin ich immer noch in Klassen aktiv, denn daraus schöpft man viel Motivation und Energie. Ich erlebe immer wieder, dass viele Jugendliche das Problem haben, das ich auch hatte: fehlende Vorbilder und Unterstützer. Es ist unglaublich motivierend, anderen das Vorbild zu sein, das mir gefehlt hat. Ich will zeigen, dass man am Ball bleiben muss. Es freut mich sehr, wenn Jugendliche auf mich zukommen und ich beispielsweise bei Fragen zum Medizinstudium helfen kann. Ich investiere viel Zeit in Arbeitskreise bei InteGREATer und Workshops in Schulen – ein Minimum von 2 Stunden pro Woche und oft auch mehr.
Am meisten erschüttert hat mich mein erster Workshop an einer Mittelschule. Hier war es durchaus keine Selbstverständlichkeit, die Mittlere Reife anzustreben. Oft haben die Lehrer die Schüler sogar demotiviert und ihnen gesagt „Fachoberschule schaffst Du nicht“. Wenn man dann die Gegenposition einnimmt, sind die Schüler begeistert, fühlen sich bestätigt und teilen ihre Leidensgeschichte. Jeder braucht jemanden, der ihn bestärkt. Ich sehe es als Aufgabe der Lehrer, nicht mit Blick auf Defizite, sondern mit Fokus auf Potenziale zu arbeiten. Es reicht ja schon, wenn nur ein Lehrer motiviert, damit ist schon viel geholfen – auch wenn es eigentlich eher die Regel sein sollte.
Es gibt für jeden ein geeignetes Ehrenamt, man muss sich nur die Zeit geben, das Richtige zu finden. Jeder sollte sich engagieren! Durch ein Ehrenamt schaut man über den eigenen Kosmos hinaus, man lernt ganz andere Leute kennen und man bekommt auch oft neue Aufgaben – sei es, die eigene Organisation zu repräsentieren oder etwas Neues anzustoßen, zu organisieren. Egal, was man macht, man profitiert selbst am meisten davon. Und man gibt der Gesellschaft etwas Positives zurück.

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